This is my personal lifestream.
I'm a 1969er digital pioneer and realtimeweb immigrant, working in communications as digital strategist. Husband, father of four, riding icelandic horses, loving sauna.
Click here for my public business Xing profile. Or here for the (german) about-page of my blog.
I don't talk to anybody about the future of journalism and newspapers until he or she has read this March 09 essay of Clay Shirky. And here is my August 10 talk about why to "fire your social media consultant" (mainly german).
My content distributed on the web:
Ja, ich freue mich auf's Wochenende. Vor allem, weil ich einen netten Bodenarbeitskurs mit meinem Pferd machen werde. Und ja, ich hab auch schon thank god it's Friday geseufzt. Bestimmt auch online verkürzt zu #tgif.
Aber trotzdem verstehe ich das irgendwie nicht. Was ist an eurem Job so schlimm, dass ihr freitags um 8 Uhr morgens schon wohlig seufzend das Wochenende anruft? Ich glaube, ich würde dann versuchen, etwas an meinem Leben zu ändern.
Mein Großonkel und seine drei Töchter waren die - heute würde man wohl sagen - Testimonials der SPD-Kampagne "Am Samstag gehört Vati mir". Toll, dass sie damit erfolgreich waren damals, bevor die Seufzerinnen geboren waren.
Vielleicht bin ich in einer besonderen Situation, ich weiß es nicht. Mir macht mein Beruf und auch mein Job Spaß. Und mein Wochenende auch, an dem ich mehr von meiner Familie und unserer Pferdeherde sehe. Obwohl es so viel mehr auch nicht ist, weil sie alle auch dann ihre Wege gehen. Wie das Leben so ist.
Dass das Leben aus beidem besteht, finde ich gut. Ora et labora. Oder in so einem ätzenden Elternspruch: wer feiert, kann auch arbeiten. Ich arbeite nicht, um zu leben. Sondern die Arbeit ist Teil meines Lebens. Kein kleiner. Manchmal habe ich den Verdacht, dass das subjektive Stressempfinden sich umgekehrt proportional dazu verhält, wie sehr ich begreife, dass Arbeit nicht nur die lästige Pflicht ist, um mir mein Leben zu leisten - sondern zu einem gelingenden Leben positiv dazu gehört.
Aber vielleicht kommt da auch nur der orthodoxe Lutheraner in mir durch.
Ich rede viel mit anderen Eltern über dieses Onlinedings. Gebe auch hin und wieder ehrenamtliche Fortbildungen für Eltern unter dem Motto "Was machen unsere Kinder eigentlich da im Internet?" Und ich mache mir immer wieder und immer neu Gedanken darüber, wie ich eigentlich meine Kinder da begleite und begleiten will. Zumal es auch Thema zu Hause ist. Zwischen meiner Frau und mir. Aber auch zwischen uns und den (teilweise ja schon jugendlichen) Kindern, mit denen es immer wieder auch ausgehandelt werden muss.
Weil ich immer wieder von anderen Eltern gefragt werde, wie wir es machen, was sozusagen unsere Systemarchitektur ist, schreibe ich den aktuellen Stand hier mal auf. Ich versuche, eine Balance zu finden zwischen Freiheit und Regeln, zwischen Selbstverantwortung der Kinder und Grenzen, die wir ziehen (müssen und wollen). Ja, ich weiß, dass meine Kinder es nur so mittelwitzig finden, dass sie wahrscheinlich weniger "dürfen" als andere, weil ich in der Lage bin, Regeln technisch zu setzen und eben nicht nur laissez-faire mache. Interessant finde ich immer, wenn ich mal Eltern fortbilde, dass nahezu alle zu Hause ein WLAN haben, bei all diesen Familien die Kinder Zugang zu diesem WLAN haben - und nahezu niemand weiß, was die dann online machen und wann.
I. Für die Jugendlichen
Die beiden Großen sind Jugendliche, nutzen also "das Internet" schon lange und intensiv. Spielen, Chatten, Telefonieren, Mail (ja auch noch), TV, teilweise Facebook (einer hat sich wieder abgemeldet da) - das sind typische Tätigkeiten. Hier fahren wir eine Mischung aus technischer Beschränkung und Selbstverpflichtungen.
Ihre Laptops sind mit der in Windows eingebauten "Kindersicherung" ausgestattet, die FSK-Grenzen bei Spielen enthält. Den Jungs steht ein Zeitkorridor zur Verfügung, in dem sie den Computer nutzen können: morgens von 6 Uhr bis 8 Uhr, und dann von 14 Uhr bis 22 Uhr (am Wochenende bis 24 Uhr). Verabredet haben wir, dass sie die Zeit, die sie mit MMORG (Onlinerollenspiele) verbringen, begrenzen, das regeln sie weitgehend selbst. Außerhalb dieser Zeiten können sie das WLAN mit ihren iPhones aufrufen, um Facebook zu nutzen, Skype oder was immer sie für Chat und Co brauchen. Denn mit ihren Freundinnen und Freunden sollen sie auch außerhalb der Korridore reden können.
Das WLAN selbst schränken wir nicht ein, filtern auch das Internet nicht vor.
II. Für den Zehnjährigen
Tertius hat auf dem Computer in seinem Zimmer keinen Internetzugang, er nutzt ihn für sein Schachprogramm oder wenn er mal was schreiben muss oder will. Die ins Applebetriebssystem eingebaute Kindersicherung regelt hier die Korridore und die Menge der Computerzeit. Auf einem alten iPhone, das er als iPod nutzt, hat er Zugang zum WLAN, so dass er vor allem YouTube nutzen kann und hin und wieder neue Apps runterladen.
Für Onlinerecherchen nutzt er eines der anderen Laptops, in der Regel eines der Eltern. Wir sind der Meinung, dass ein Zehnjähriger nicht zwingend unbeaufsichtigtes Internet braucht, insbesondere, wenn er nicht aktiv danach fragt. Er liest und spielt und hört viel. Und nutzt dazu andere Medienträger oder gar keine Medien.
III. Für die Sechsjährige
Quarta nutzt im Grunde keinen Computer, hin und wieder spielt sie auf dem iPod ihres Bruders oder lässt sich von ihm etwas auf YouTube zeigen. Wenn sie mal die Bibi-Blocksberg-Seite aufrufen will oder die Lern- und Arbeitsprogramme ihrer Deutsch- und Mathematerialien nutzen will, kann sie an eines der Laptops der Eltern.
Passend zum #SOPA-Aktionstag und zum gerade heute aktuellen Thema Freiheit hier die letzte Folge der Blogposts rund um meine sechs Ansagen für 2012. Es ist vielleicht die politischste, "ideologischste" These dieses Jahr. Aber eine, an der sich die Haltung zum Web entscheidet und in der es mehr als in allen anderen um die Zukunft geht. Alle sechs Teile und die Thesen selbst habe ich mit dem gleichen Stichwort versehen, so dass ihr sie hier zusammengefasst findet.
The great thing about the web is linking. I don't care how ugly it looks and how pretty your app is, if I can't link in and out of your world, it's not even close to a replacement for the web. It would be as silly as saying that you don't need oceans because you have a bathtub. How nice your bathtub is. Try building a continent around it if you want to get my point.Modernes Webdesign und moderne Technik hinter Websites ermöglichen uns, wunderbare Dinge zu bauen, die toll im Browser aussehen, ganz anders und trotzdem sehr gut auf dem kleinen Touchscreen in meiner Hand, und die großartig als Tab unserer Facebook-Seite funktionieren, wenn wir sie als iframe einbauen.
Folge fünf der Blogposts rund um meine sechs Ansagen für 2012. Damit wir langsam mal zum Ende kommen. Alle Teile habe ich mit dem gleichen Stichwort versehen, so dass ihr sie hier zusammengefasst findet.
In Hamburg finden seit einiger Zeit Schulinspektionen statt. Dazu kommt ein Inspektionsteam in die Schulen. Zusätzlich werden Lehrerinnen und Eltern auch online befragt, wobei die Beteiligung oft keine repräsentativen Schlüsse zulässt, so dass die Ergebnisse nicht in den Bericht eingehen (oder nicht gewichtet werden oder so was). Am Gymnasium Meiendorf, das Primus besucht und für Tertius eine der Schulen ist, die ab Sommer in Frage kommen, bin ich ja im Elternrat (so heißt in Hamburg das Elternmitwirkungssgremium auf Schulebene). Der Elternrat hat im November einstimmig die Schulleitung gebeten, mindestens die Bereiche "Bildung und Erziehung" des Inspektionsberichts 2011 auf der Homepage der Schule zu veröffentlichen. Mir ist keine Antwort der Schulleitung bekannt, sie hat aber vorher mehrfach gesagt, dass sie das ablehnt.
Morgen ist "Tag der offenen Schule" am Gymnasium Meiendorf. Es werden sich also Familien über die Schule informieren, die überlegen, ihre Kinder da hinzuschicken. Und da es im Stadtteil (wahrscheinlich angesichts der sehr durchwachsenen Ergebnisse der Inspektion, immerhin sind gleich viele Aspekte im Bereich Bildung und Erziehung als "eher schwach" wie als "eher stark" bewerten worden) bereits Gerüchte und andere Rohrpost über das Ergebnis der Inspektion gibt - und da es sicher auch für Nicht-Hamburgerinnen spannend ist, wie so ein Inspektionsbericht aussieht -, binde ich die Teile mal hier ein, die der Elternrat gerne veröffentlich haben wollte.
UPDATE 24.1.2012
Ich habe mich entschlossen, den Bericht zumindest vorübergehend hier runterzunehmen. Heute bekam ich ein Schreiben der Schulleiterin, in der sie mir mit der Begründung "Sie verstoßen damit gegen Datenschutzbestimmungen" rechtliche Schritte androht, sollte ich ihn auf haltungsturnen.de nicht "unverzüglich entfernen". Das tue ich hiermit.
Da es mir aber einzig darum geht, dass sich an der Schule etwas ändert, dass die nun objektiv festgestellte schlechte Unterrichtsqualität sich verbessert, da ich da immerhin ein Kind habe und privatempirisch bestätigen kann, was im Bericht steht, werde ich an dieser Stelle die Schulleiterin nicht unnötig provozieren, denn darum geht es mir nicht. Ggf. werde ich den Bericht wieder einbinden, wenn ich den juristischen Sachverhalt klären konnte. Bis dahin werde ich in den Gremien weiter daran mitarbeiten, dass die Schule sinnvolle und nach vorne blickende Reformen umsetzt. Entschuldigt bitte.
Folge vier der Blogposts rund um meine sechs Ansagen für 2012. Damit es nicht langweilig wird. Mir zumindest nicht. Der erste Teil ging um den privacy divide und der zweite um Zielgruppen und dann hab ich ja gestern grad was zu Social Commerce fabriziert.
Der einzige Satz, der mit “die Blogger...” beginnt und dennoch wahr ist, geht weiter: “... schreiben ein Weblog”.Aber darum ist es ja nicht falscher.
Folge drei der Blogposts rund um meine sechs Ansagen für 2012. Denn Social Commerce kommt ja nun. Der erste Teil ging um den privacy divide und der zweite um Zielgruppen.
Zu Postgender hab ich neulich ja schon mal geschrieben, wieso das Kinderkakke ist. Das immer wieder (und beileibe nicht nur von Männern) behauptete so genannte "generische Maskulinum", also die irrige Vorstellung, Frauen seien "mitgemeint", wenn ein Plural im grammatikalischen Maskulinum gebildet wird, ist ebenso Kinderkakke. Und dazu kommt noch, dass es das nicht mal gibt.
Heute erst bin ich auf einen dazu sehr spannenden und verständlichen Artikel in Anatol Stefanowitschs Sprachlog gestoßen (via Facebook via Katja Husen), der noch einmal einige Studien zusammenfasst, die zeigen, wie sehr im Deutschen die Verwendung eines Genus Einfluss auf das hat, was wir in Wirklichkeit denken und mitdenken (und eben nicht mitmeinen). Vor allem räumt er sehr erhellend mit dem Vorurteil auf, geschlechtergerechte Sprache würde die Verständlichkeit von Texten negativ beeinflussen. Dies tut sie nur gefühlt, nicht aber objektiv - und auch nur bei Männern. Anatol schreibt:
Mit anderen Worten: Geschlechtergerechte Sprache hat keinen negativen Einfluss auf die Verständlichkeit und Lesbarkeit von Texten. Wohl aber hat sie einen Einfluss auf die Einbildung männlicher Leser.Und solange es in meiner Umgebung Leute gibt, die das Märchen vom generischen Maskulinum aufrecht erhalten und weiter erzählen, werde ich wie in den letzten Jahren schon auch weiterhin im Blog und in Aufsätzen und Artikeln ein generisches Femininum verwenden. Punkt.
Frauen natürlich ausgenommen | Sprachlog
Folge zwei der Blogposts rund um meine sechs Ansagen für 2012. Diesmal zu dem Thema, bei dem mich am meisten überrascht hat, dass es so kritisches Echo fand - und in diesem Fall noch nicht mal vor allem wegen schwach ausgeprägter Fähigkeiten zum sinnentnehmenden Lesen, sondern wohl, weil es einige wirklich anders sehen. Der erste Teil ging um den privacy divide.
Am letzten Schultag vor Weihnachten konnten die Kinder schon um 11 Uhr nach Hause gehen. Bis auf Kevin, denn er sollte bis um 13 Uhr bleiben, wie immer. Das geht nicht anders, seine Pflegefamilie kann vorher nicht, denn die gesamte Betreuung ist auf die verlässliche Halbtagsschule eingestellt. Tertius hat ihn mit nach Hause gebracht. "Das wäre doch wirklich doof", sagte er und rief uns kurz mit dem Notfallhandy an, um Bescheid zu sagen, dass sie zu zweit kommen. Da haben wir doch nicht alles falsch gemacht in der Erziehung.
Kevin ist ein nettes Kind, auch wenn er meistens in einer Jogginghose rumläuft. Die beiden haben den ganzen Tag wunderbar gespielt und noch Weihnachtsgeschenke für Kevin gebastelt. Und beim Abschied sagte er mit strahlenden Augen, dass er sich auf den ersten Weihnachtstag freut. Da ist er zum ersten Mal seit Monaten bei seiner Mutter, zusammen mit einigen seiner Geschwister, die in anderen Familien leben.
Einen der Tage kommt er zu uns. Darauf hat Tertius bestanden. Ich bin sehr stolz auf ihn.
Ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Ich habe keine Version von Rolf Zuckowski bei YoutTube gefunden, verzeiht, dass es Mary Roos ist.
Rund um meine sechs Ansagen für 2012 werde ich in den nächsten Tagen oder Wochen einige der Themen hier ausführlicher behandeln, um den Kontext zu meinen kurzen Thesen nachzuliefern. Den Anfang macht die mir persönlich wichtigste Beobachtung: Der privacy divide.Datenschutz und Privatsphäre sind zwei Dinge, die sich 2011 vor allem in der deutschen Onlinediskussion zu sehr platten Kampfbegriffen und Kampffeldern entwickelt haben. Extremen Datenschützerinnen ohne Verständnis für die gesellschaftlichen Veränderungen stehen Aktivistinnen der so genannten “Spackeria” entgegen, die Privatsphäre als Grundkonzept ablehnen. Die Positionen beider Gruppen halte ich für absurd. Dennoch markieren sie die Eckpunkte einer Diskussion, die wir ernsthaft führen müssen - um die Frage herum, wie Privatsphäre in einer Welt aussehen kann und aussehen wird, in der immer mehr Daten digital vorliegen. Datenschutz ist dabei nur ein winziger Aspekt dieses größeren Themas, ebenso wie Datensicherheit, Datensparsamkeit/Datengeiz und Datenströme. Aus meiner Sicht geht es zentral um zwei nicht miteinander vereinbare Konzepte rund um Privatsphäre, aus denen ein neuer “privacy divide” in der Gesellschaft entsteht.
Dass ich seit Anfang 2003 blogge und sehr viel in Bild, Video, Text, Bewertungen, Orten und anderen Details von mir “preisgebe”, ist es mir gelungen, weitgehend selbst zu bestimmen, was andere Menschen über mich wissen, was sie über mich finden und wie die Person Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach oder die “Marke luebue” dargestellt ist. Keinen Einfluss habe ich darauf, wie andere dieses Bild sehen und verarbeiten. Aber in einem nicht kontrollierbaren Medienraum habe ich durch gezielte Öffentlichkeit einen gut Teil der Kontrolle darüber erlangt, was über mich bekannt ist und was nicht.Niemand muss das so machen. Niemand muss die Grenze so ziehen, wie ich es tue (und ja, auch ich ziehe Grenzen). Wer es anders macht, wird andere Vorteile und andere Nachteile daraus haben. Meines Erachtens überwiegen die Vorteile der Datenfreigiebigkeit. Zumindest für mich. Und zumindest noch. Facebook ist ein gutes Beispiel, wie dies auch kippen kann: Wenn die Kosten (Daten und mangelnder Datenschutz) den Nutzen übersteigen. Das ist einem meiner Söhne so gegangen, weshalb er sich wieder abgemeldet hat. Und das kann auch mir oder anderen irgendwann so gehen. Dafür brauche ich kein ULD. Und keine Panik.
Kennt ihr ja. Kaum droht ein neues Jahr, kann ich nicht an mich halten und muss irgendwie mehr oder weniger steile Vorhersagen machen, die dann eintreten. War letztes Jahr auch so. Da haben wir es mit der Absatzwirtschaft gemacht. Dieses Jahr mit w&v - dort findet ihr also dieses Jahr meine Ansagen, wie ich denke, dass 2012 wird. Hier nur kurz die Überschriften angedeutet, ausführlich dort, geht mal rüber....
1. Zielgruppen sind wieder da.Besonders wichtig ist mir persönlich übrigens die vierte Ansage. Dass dieser privacy divide kommt, davon bin ich überzeugt, er deutet sich ja bereits an. Dazu schreib ich auch noch mal ausführlicher, denn das ist ein Thema, das nicht nur mich als Kommunikationsberater betrifft sondern auch mich als Vater und mich als Politiker.
2. Social Media? Wieso Social Media?
3. Daten, Daten, Daten.
4. Das Jahr der Entscheidung zwischen Privatsphäre und Bequemlichkeit.
5. Social Commerce kommt, anders als wir dachten.
6. Der App-Boom endet.
Und an finnische Männer.
Gerade haben wir diese Doku geguckt. Skurril, faszinierend, männlich. Und wer mich kennt, weiß, dass Sauna für mich und mein Leben und meine Familie und meine Liebste ebenso wichtig ist. Ich twittere jedesmal (oder sag es wenigstens auf Foursquare), wenn ich in die Sauna gehe. Und in jedem unserer drei Häuser bisher haben wir alle anderen Räume um die Sauna herum gebaut.
Eine Sauna passt überall hin, wie man im Film sieht. Und es ist der Ort, um auch als Mann zu reden und zu schwitzen und zu denken und zu entspannen. Nur trinken, vor allem Bier wie die Finnen, kann ich da irgendwie nicht. Aber leben ohne Sauna? Auch nicht.
80 Minuten voller Männergeschichten und Lebensweisheiten aus einem Land nördlich des 60. Breitengrades. Voller skurriler Männer. Und immer wieder überraschend und liebevoll.
(Sagte ich schon, wie sehr ich mich auf den nächsten Sommer freue, wenn wir noch einmal mit allen Kinden nach Finnland fahren? Mit holzbefeuerter Sauna und See und ohne jeden Nachbarn?)
Ich bin wirklich sehr froh, dass SchülerVZ am Ende eingesehen hat, dass ihre Pausenhof-App gar nicht geht. Es ist mir noch nie passiert, dass ich (mit ein oder zwei Ausnahmen und - selbstverständlich - einigen Trollen, die ich überwiegend gelöscht habe dieses Mal) eine so einhellige Zustimmung zu meiner scharfen Interpretation einer Sache, die mich aufregt, bekommen habe. Besonders von Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenleben, aber nicht nur. Wie ein Kollege es so unfein ausdrückte, war die Sachlage hier wohl einfach nur eindeutig: "Der Bauer erkennt seine Schweinchen am Gang."
Vielleicht ganz kurz ein zeitlicher Abriss der letzten zwei Tage:
Für jeden, der sich mit linker politischer Theorie und/oder Praxis beschäftigt, ist Gramsci ein Begriff. Nach etwa 1992 (meine Schätzung) wurde er vor allem für die Rechtsradikalen in Deutschland wichtig. Im Grunde haben sie das, was Gramsci rund um Hegemonie formulierte, konsequent umgesetzt. Das hat mich am Anfang verzweifeln lassen und dann irgendwann wütend gemacht. Ändern konnte ich es so wenig wie die wenigen, die es damals schon sahen, gehört wurden.
Ich verlinke hier nicht die verschwurbelten Artikel, die angefasste Jenaer gerade schreiben, die keine Nazis sind (was ich glaube). Die aber in vielen - ich hoffe: unbewussten - Formulierungen und Argumentationsmustern zeigen, wie sehr die Gramsci-Rezeption und -Adaption der Rechtsradikalen Früchte getragen hat (Aber ihr findet einige Beispiele bei Erik im Blog, der im Übrigen besser als ich zusammen fasst, warum sich einige von uns so aufregen über die Naiven).
Wenn dann naiv und unbewusst von "falschen Freundeskreisen", die Erik oder ich haben könnten, geschwurbelt wird. Oder wenn die sozial geächtete Selbsttötung durch Drogenkonsum mit der durch Wegschauen der Mehrheit ermöglichten Tötung oder Vertreibung von anders Aussehenden enggeführt wird. Dann ist das die Rache der Rechten an Gramsci.
In meinem Bekanntenkreis und in meiner Familie gibt es Menschen, die aus Erfahrung - und nicht etwa aus Vorurteilen - nicht mehr in "den Osten" fahren, ohne sich im Schutz großer Gruppen zu befinden (oder sich zu bewaffnen). Und auch wenn es Nazis auch im Westen gibt und ich an der Haltung vieler junger Leute, die ich am Niederrhein* oder sonstwo kenne, eine Menge auszusetzen habe, ist das doch anders - sehr anders - als in jedem Dorf im Osten, das ich erlebte oder von dem mir Menschen mit aus Nazisicht normabweichendem Äußeren berichten. Oder ganz konkret: ein Punk kann in der mir persönlich wirklich nicht angenehmen niederrheinischen Provinz leben. In Mecklenburg oder Thüringen nicht.
Die sprachliche und kulturelle Hegemonie der Rechtsradikalen in der nachwachsenden Generation ist im Osten, das zeigen auch alle Studien, die es dazu gibt (ein Teil ist in der letzten Zeit erwähnt, ansonsten mal nach Toralf Staut googlen), weiter fortgeschritten als im Westen.
Die Angst der Menschen, die den Osten als No Go Area erleben, liegt eben gerade nicht an den Nazis, denn die, da haben die hegemonisierten Naiven Recht, gibt es überall. Die Angst kommt daher, dass dort nicht die Nazis sondern die anderen latent als "falsche Freundeskreise" gelten.
Es geht dabei nicht "gegen den Osten" oder um Vorurteile - sondern darum, dass eine bewusste Strategie der Rechtsextremen, der Nazis, aufgegangen ist, die sich ab Anfang der 90er "den Osten" ausgesucht haben, weil sie sahen, dass es da einfacher für sie ist, aus verschiedenen Gründen, die bekannt sind (Geschichte, soziale Situation, weniger äußerliche Abweichung als im Westen etc). Und die Geschichtsvergessenheit und mangelnde sprachliche Bildung (was kein Vorwurf ist, sondern schade) führt dann bei Menschen auch höherer formaler Bildungsabschlüsse allzu oft dazu, dass sie die sehr geschickten Hegemonieversuche der Nazis nicht bemerken, nicht sehen und die entsprechenden Codes einsickern. Trifft diese Hegemonie dann auf ehrenamtliches Engagement von Nazis in einer Gegend, in der es keine Kirchen und AWO etc gibt, ist der Schaden angerichtet und kann nicht von einigen Helden (die es auch in Jena gibt) aufgefangen werden. Und von den Helden habe ich übrigens auch keine verschwurbelten Proteste gehört. Nur von denen mit dem gesunden Volksempfinden. Und mit (Lokal-) Patriotismus.
* Steht hier pars pro toto für die vom Osten so weit wie möglich entfernte westdeutsche Provinz. Und vielleicht auch deshalb, weil ich dort Jugendliche und Punks kenne...
Ich bin da wirklich nicht ganz sicher. Einerseits finde ich ja, dass Alex Wunschel und ich mit Brouhaha einen irgendwie netten Podcast zusammen haben, auf den ich auch oft angesprochen werde (vor allem, wenn - wie dieses Mal wieder einmal - die neue Folge monatelang auf sich warten lässt). Andererseits hat sich die Idee, #megafails (oder wie immer man die Fehler von Kommunikatoren und Unternehmen in Social Media nennen will) zu analysieren und wunderbar arrogant zu sagen, was sie hätten besser machen können, ein bisschen tot gelaufen, finde ich - vielleicht auch, weil es kaum noch so richtige Brüller gibt? Oder weil sie mich nicht mehr so interessieren? Oder weil der eigentliche Hammer eher ist, wenn Weltmarken mit ihren Netzwerkagenturen oder Medienfachmagazine Dinge auf Facebook machen, die an drei bis sieben Stellen gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen (vom guten Ton und so mal ganz zu schweigen)?
Was denkt ihr, wie wir weiter machen sollten (denn eigentlich sind wir so sehr waldorfstatlermäßig gut drauf, dass wir auf jeden Fall weiter machen wollen)?
So lange, bis ihr diese Frage beantwortet habt, erstmal noch die aktuelle Folge über Schlecker und die lingua franca.
Download MP3 (30:35; 21MB), oder auch Abo bei itunes...
Das große Grundmissverständnis rund um Google+ beschrieb diese Woche Martin Weigert auf netzwertig.com - sein Artikel ist im Grunde sogar die Illustration dieses Missverständnisses, weil er meines Erachtens von falschen Voraussetzungen ausgeht und deshalb - logischerweise - die falschen Schlüsse zieht:
Mit dem Start von Google+ kämpfen nun drei führende, auf die Masse der Nutzer ausgerichtete und sich im Funktionsumfang überschneide Social-Web-Plattformen um die Aufmerksamkeit der Nutzer.Genau das scheint mir nur auf der Oberfläche zu stimmen. Nicht aber im Kern. Genau diese Einleitung - auf der seine in sich schlüssige Schlussfolgerung beruht, Google+ sei also überflüssig - sehe ich vollständig anders.
Die guten meiner Kindheit und Jugend gehen alle. So ist das, wenn man selbst auch älter wird. Jetzt also der Degenhardt. War das eine Eilmeldung der Tagesschau wert? Ja, das war es. Ist es traurig? Weiß nicht, denn erstmal bin ich dankbar, dass es ihn gab.
Ich kannte ihn nicht persönlich, er war auch nicht einer von denen, die ich regelmäßig hörte. Aber er gehörte dazu. Für mich wie Erich Fried, wie Dorothee Sölle, wie Alfred Schulz. Die ich alle gut kannte und die auch alle tot sind. Irgendwie gehörte er in diese Reihe. Wahrscheinlich bin ich einer der Jüngsten, die noch wissen, wer er war und was er war und warum er für uns wichtig war. Der Zornige, Wilde, Einfache unter den Mutmachern.
Und Dem Scholz bin ich dankbar für dieses Lied und dieses Video. Nach so etwas habe ich den ganzen Tag unbewusst und im Hinterkopf gesucht. Denn ich wollte nicht den Gassenhauer bringen.
Es gibt Dinge, vor denen ich Angst habe. Es gibt Zeiten, zu denen ich besorgt bin. Und es gibt Situationen, in denen ich gestresst bin, manchmal sogar sehr gestresst. Das hätte ich früher nicht gedacht.
Aber witzigerweise stresst mich weder online sein, noch offline sein. Bin ich nicht besorgt, ich könnte was verpassen, wenn ich beispielsweise mit meinen Kindern spiele, schwimme oder reite oder so. Habe ich keine Angst, in den unendlichen Weiten des Internet zu ersaufen.
Angeblich gibt es einen Trend, auch mal offline zu sein. Also so bewusst. Oder Orte offline zu machen. Weil da das Internet mit seinem Stress des Alwaysondingens nicht geht. Und angeblich komme der zustande, weil Menschen vom ewigen Onlinesein eben gerade dies seien: gestresst, ausgelaugt und so weiter.
Weder den Trend noch seine Ursachen will und kann ich bestreiten. Ich kann es nur nicht nachvollziehen. Und finde es latent überflüssig.
Vor allem aber denke ich mehr und mehr, dass dies ein Phänomen des Übergangs ist. Dass es Menschen betrifft, die - bewusst oder unbewusst - einer alten Zeit ohne permanente mindestens theoretische Verfügbarkeit von Information und Informationsmöglichkeit nachtrauern.
Ohne in Vulärpsychologie verfallen zu wollen, kann doch dieses "fomo"* eigentlich nur haben, wer tatsächlich glaubt, eine Chance zu haben, alles oder das meiste mitzubekommen. Wer aber erstmal Schwimmübungen im ewig fließenden Strom von Infos und Updates beginnt, merkt fast sofort, dass es leichter ist, zu schwimmen, als an einer Stelle zu stehen und zu versuchen, alle Tropfen, die vorbei fließen, zu sehen.
Mit dem Strom des Onlineseins ist es wie mit dem Regen. Wenn ich nass und kalt nach Hause jam, sagte mein Vater immer: "Das Gute am Regen ist ja: das meiste geht an dir vorbei."
Der Unterschied zu früher ist ja vor allem, dass ich mir nicht mehr vormachen kann, 24 Bände Brockhaus im Regal würden alles Wissen bergen.
Stress entsteht nicht nur aber oft durch Kontrollverlust oder die Angst davor. Im Wissen, dass ich ohnehin fast alles verpasse, auch wenn ich online bin, brauche ich weder eine explizite Offlinezeit noch werde ich kribbelig, wenn ich off bin. Denn irgendwann bin ich ja wieder on.
Interessanterweise erlebe ich bei meinen Kindern und ihren Freundinnen, dass sie kein fomo* haben. Und nicht mal eine Internetflat für ihr Smartphone brauchen. Denn sie sind ja nicht offline oder machen Internetdiät. Sondern sind halt mal on und mal off. Sie sind erwachsener als die meisten Erwachsenen um mich herum. Allerdings (leider oder glücklicherweise) nur in diesem Bereich.
* fomo = fear of missing out
liebe Kampagnenjournalistinnen, liebe Spielerinnen im Casino Deutsche Börse, ihr habt es geschafft, mich erfolgreich zu re-radikalisieren.
Nun ist das Fass übergelaufen. Wenn ihr mit Zorn, Flucht, Häme und Drohungen auf Demokratie reagiert, stellt ihr euch außerhalb einer Zivilisation, die diesen Namen verdient. Wenn ihr nur ein Jahr, nachdem wir euch gerettet haben, Riesengewinne macht und trotzdem fordert, Risiken zu sozialisieren, dann seid ihr keine Leistungsträger sondern Bewohner der Hängematte, in der zu liegen ihr denen vorwerft, die euch füttern. Wenn ihr von uns fordert, euer gescheitertes Geschäftsmodell unter Artenschutz zu stellen und euch zu bezahlen, weil ihr staatstragend seid, und dann Kampagnen gegen die Hände führt, die ihr gereicht haben wollt, dann seid ihr Lügenpack.
Ich war in dieser Gesellschaft angekommen. Verdiene gut, habe viele Kinder, so wie einige von euch. Ich hatte der Revolution schon lange abgeschworen. Ich zahlte gerne Steuern.
Ihr aber habt es geschafft. Ihr habt den Liberalismus und den Ausgleich der Interessen getötet. Ihr habt neue Frontlinien gezogen. Ihr wollt offenbar beweisen, dass die Recht haben, die sagen, dass es keine Versöhnung zwischen oben und unten geben kann.
Wir in der Mittelschicht, gerade auch wir in der oberen Mittelschicht werden von euch vor die Entscheidung gestellt, wohin wir gehören. Und ich habe mich entschieden. Denn zu euch gehöre ich nicht. Und für euch werde ich mich nicht mehr schämen.
Wir sehen uns auf den Barrikaden.
(Sound of the day: Green Day für den Zorn. Und Bruce Springsteen für die Hoffnung)
(und weil die Frage kam: Anlass, nicht aber Ursache, für diesen Text sind die Reaktionen auf die Ankündigung des Referendums in Griechenland)
Und warum ich weiter für die Quote in ihrer strengen Auslegung bin.
Ich bin in den 80ern aufgewachsen mit einer Mutter, die theoretische Feministin war. Danach habe ich viel über Entfremdung gearbeitet und feministische Theologie studiert. Obwohl ich ein nahezu traditionelles Familienmodell lebe, bin ich bis heute Feminist. Und witzigerweise spricht mich fast nie jemand darauf an, dass ich konsequent die weibliche Form benutze, wenn Frauen und Männer gemeint sind. Und übrigens nie das Majuskel-i.
Und mehr und mehr radikalisiere ich mich wieder. Heute wäre ich von der Landesmitgliederversammlung der Grünen gegangen, wenn sich im Frauenrat die durchgesetzt hätten, die die streng quotierte Redeliste aussetzen wollten.
(Streng quotiert heißt bei uns, dass nur so viele Männer reden dürfen wie Frauen. Dass also Männerbeiträge entfallen, wenn keine Frau sprechen will.)
Das Problem ist: die quotierte Liste funktioniert nicht, weil um den Faktor 5 (meine Schätzung) mehr Männer als Frauen reden wollen. Ich stimme also denen zu, die die Dysfunktion der Quote kritisieren.
Nur ist meine Konsequenz eine andere: Ich denke, wir müssen die Politikrituale überdenken und nicht die Quote. Wenn sich Frauen quasi nicht mehr an ihnen beteiligen, sollten wir sie (die Rituale, nicht die Frauen) abschaffen.
Willkürliche, eratische Redebeiträge vom Podium sind dann vielleicht nicht mehr die Form für zeitgemäße Parteitage. Vielleicht sollten wir Kandidatinnenbefragungen als Speeddating machen, in Kleingruppen und mit rotierenden Kandidatinnen. Vielleicht sollten wir Open Spaces ausprobieren. Oder oder oder.
Aber aus dem mangelnden Interesse von Frauen an unseren Parteireden zu schließen, die Quote aufzuweichen, wird weder den Zielen noch dem aktuellen Problem gerecht.
Und wir mitteilungsbedürftigen Männer können eben nur durch die strikte Quote gezwungen werden, diese Änderungen mit voran zu treiben. Denn sonst hungern uns die Frauen einfach aus. Sozusagen die Logorrhoe-Therapie analog zum Geburtsstreik.
Frauen, lasst euch nicht darauf ein, die Quote aufzuweichen. Wir Jungs brauchen nicht wirklich unsere überkommenden Rituale. Und Inhalte müssen ja nicht per ausgeloster Redeliste vom Podium erklärt werden, mit Worten, die wir vorher bereits online von uns gegeben haben.
meine 6 Ansagen für 2012 und ihre ausführlicheren Begründungen/Erläuterungen
Wie Facebook die "default" Einstellungen verändert hat - wer welche Inhalte sieht.
Weiterführung meiner 2012-Gedanken, sehr interessant: rhetorische Kommunikation
genauer angucken. Klingt smart und super simpel.
Don Alphonso mal in guter Form und richtig beobachtet - dass die Untergangsphantasien der Kulturpessimisten so neu nicht sind...