This is my personal lifestream.
I'm a 1969er digital pioneer and realtimeweb immigrant, working in communications as digital strategist. Husband, father of four, riding icelandic horses, loving sauna.
I don't talk to anybody about the future of journalism and newspapers until he or she has read this March 09 essay of Clay Shirky.
BTW: here is my August 10 talk about why to "fire your social media consultant" (mainly german) and here is my March 12 talk about the "privacy divide" (audiocast).
For all other controversy just visit my blog Haltungsturnen.
My content distributed on the web:
Seit Anfang dieser Woche fahren eine Reihe von Onlinenachrichtenseiten, vor allem solche der traditionellen Verlage, eine Onlinekampagne auf ihren eigenen Seiten gegen Browser-Plug-Ins wie "Ad Block" und ähnliche.
In einer quasi persönlichen Botschaft an Besucherinnen ihrer Seite, die Adblocker installiert haben, bitten sie diese, die Adblocker abzuschalten. Ihre Kernbotschaft: Helft uns, uns zu refinanzieren über Werbung, damit wir weiterhin Nachrichten ins Internet schreiben können.
Was ich spannend fand, war, dass nach meiner Beobachtung die Reaktion darauf fast hälftig zweigeteilt war: Die einen fanden die Botschaft nett und freundlich.
Wer so nett fragt... #noAdBlock twitter.com/tapioliller/st…
— Tapio Liller (@tapioliller) May 13, 2013
Es gibt einen großen Unterschied zwischen egoistischen Arschlöchern und Menschen, die ich um mich haben mag. Mal so klar gesagt. Und in meinem obere-Mittelschicht-Metropolen-Speckgürtel-Umfeld kann ich die auch ganz gut unterscheiden. Im Grunde an einer ganz einfachen Haltungsfrage.
Viele Arschlöcher sind nämlich gute Menschen. Die ganz viel spenden und mildtätig sind. Und sich damit auch gut fühlen. Und alles versuchen, um keine Steuern zu zahlen. Sondern selbst entscheiden wollen, wofür ihr vieles Geld verwendet wird. Und wofür nicht. Dass es auch wirklich denen zu gute kommt, die es brauchen. Das ist so das typische Argument.
Oft spenden diese Arschlöcher auch richtig viel Geld. Geben sehr viel ab. Tun sehr viel Gutes. Aber eben nach Gutsherrenart.
Denn am Ende ist es ja so, dass es absolut egoistisch ist, sich wie ein Gutsherr zu verhalten. Selbst zu entscheiden, was etwas wert ist und was nicht. Und den Rest ohne auch nur einen Hauch schlechten Gewissens an der Steuerkasse vorbei zu schleusen.
Wobei es nicht nur um kriminelles Verhalten geht. Mir sogar gar nicht. Sondern um die Haltung. Ich kann jede verstehen (auch wenn ich es anders sehe), die findet, dass die Steuern zu hoch seien. Was ich aber nicht verstehen kann und für eine Arschlochhaltung halte, ist, wenn jemand nicht gerne Steuern zahlt. Sondern, sagte ich das schon?, lieber selbst entscheiden will, was mit dem Geld, das sie abgibt, passiert.
Solidarität heißt, dass Starke Lasten für alle schultern. Und das unterscheidet Solidarität von Mildtätigkeit. Denn bei Mildtätigkeit schultere ich nichts. Sondern verteile gutsherrlich Brotkrumen (oder von mir aus auch ganze Brotlaibe). Spenden und Mildtätigkeit sind wichtig. Und finde ich gut. Aber sie ersetzen keine Solidarität.
Und darum ein kleines Wort zu Hoeneß, das sich aber nicht nur auf ihn bezieht sondern auf viele:
Das, was seine Verteidiger immer wieder anführen, ist die andere Seite der Arschloch-Medaille. Und nicht etwa etwas, das jetzt zerstört wird. Es ist sogar vollkommen konsequent, dass er sehr, sehr viel Geld spendet, Leute großzügig unterstützt, den FC St. Pauli rettet und so weiter. Es ist eben genau die gleiche Gutsherrenart, wie Geld zur Seite zu schaffen. Es ist die Hybris, wie ein Gott entscheiden zu wollen und zu meinen, über den Verabredungen einer soldarischen Gesellschaft zu stehen. Und wer enttäuscht ist von ihm, wer seine Mildtätigkeit für ein Zeichen hielt, dass er ein Guter sei, war, so scheint mir, eher blind für die Haltung, die aus beiden Seiten dieser Medaille spricht und sprach.
Da fragt man sich ja schon, was denn los ist mit dieser Regierung und vor allem mit ihren Frauen. Die eine, von der ich auch denke, dass sie eigentlich unbedingt Kanzlerin werden will, wird von der für jeden Irrsinn immer wieder gern zu habenden Parteiradikalen zum Rücktritt aufgefordert:
Damit ist Grundlage für Wahlprogrammzusage entfallen. Rücktritt ist fällig! : Leyen bringt Union gegen sich auf - tagesspiegel.de/politik/streit…
— Erika Steinbach (@SteinbachErika) April 21, 2013
Heute früh stolperte ich über eine in meiner Regionalzeitung abgedruckte dpa-Meldung, nach der der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest herausgefunden habe, dass Facebook vor YouTube die beliebsteste Webseite bei Kindern in Deutschland sei. Mir fiel die Zeitung aus der Hand. Absurd, dachte ich. Jede Nutzungsstatistik von Facebook und YouTube und jede Privatempirie spricht dagegen.
| Startseite SchülerVZ, Screenshot vom 17.4. |
Für die KIM-Studie 2012 wurden im Zeitraum von 29. Mai bis 13. Juli 2012 insgesamt 1.220 deutschsprechende Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren in einem persönlichmündlichen Interview (CAPI) befragt.Nur for the record: Der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest verschickt allen Ernstes eine Pressemitteilung, in der suggeriert wird, es sei aktuell so, dass Facebook das beliebteste und SchülerVZ das drittbeliebteste Webangebot deutscher Kinder zwischen sechs und 13 Jahren sei. Und stützt diese Behauptung auf Zahlen, die ein Jahr alt sind, was sie ganz hinten in der Pressemitteilung auch kurz antippen allerdings.
In Abwandlung eines Ausspruches von Don Tapscott lässt sich schon heute sagen:
Facebook is a former mainstream network good for sending birthday greetings to your friends' parents.Schon im August 2011 schrieb ich ja etwas zu reißerisch, dass ich auf Dauer Facebook keine Chance einräume. Die Gründe mögen fragwürdig sein und gelten heute teilweise nicht mehr so richtig - meine Einschätzung, was die Verschmelzung der Betriebssysteme angeht, stimmt so nicht. Aber dass sich Facebook zu einem Alte-Leute-Medium entwickelt, ist unübersehbar. Und das ist schlecht (für Facebook und die Kommunikatorinnen, die sich langsam endlich daran gewöhnt haben, Facebook ernst zu nehmen, teilweise noch als Jugendplattform lustigerweise, aber das ist beinahe schon eine andere Geschichte).
@luebue Den Tweet habe ich mir gebookmarkt. Für einen Vortrag im Herbst. Danke. :-)Die Zahlen von zurückgehendem Wachstum in der sehr jungen Zielgruppe gepaart mit meiner Privatempirie legen mir nahe, dass es jetzt an der Zeit ist, die Augen offen zu halten.
— Citykirche SW (@citykirche_sw) April 16, 2013
Wenn inzwischen mehr als die Hälfte der Eltern von Jugendlichen, die auf Facebook sind, dort auch rumturnen, ist das eher übel für dessen Reputation. Ja, noch nutzen sie massiv vor den Augen ihrer Eltern verborgene Funktionen wie Gruppen und Chat. Aber das wird zurück gehen, wenn das Posing für sie nicht mehr attraktiv ist auf diesem Netzwerk. Und das ist es schon jetzt immer weniger. Die starken Wachstumsraten von Twitter (auch in Deutschland jetzt erstmals, fast nur unter Jugendlichen) und Instagram (was mich weniger überrascht hat) sprechen dafür, dass sie ausweichen auf Netzwerke, in denen bisher nur wenige Erwachsene sind. Oder gleich ganz andere Dinge ausprobieren - ich bin beispielsweise sehr gespannt auf Wachstumsraten von SnapChat, vor allem, wo sie jetzt auch für das bei Jugendlichen sehr beliebte Android verfügbar sind (und ich halte SnapChat für tatsächlich sehr interessant, vor allem das Privatsphärekonzept, das daraus spricht).
Warum sollten Jugendliche auf Dauer ein Netzwerk nutzen, auf dem die Eltern sind? Wenn, dann werden sie es so "sauber" nutzen wie wir Xing oder LinkedIn.2. Sollbruchstelle Ausweisstelle
Die Funktion von Facebook, die de-facto-Ausweisstelle des Internet zu sein, trägt viel zu seinem aktuellen Erfolg und Sog, vor allem unter Erwachsenen, bei. Aber sie ist zugleich der Punkt, an dem sich die nächste Generation abwenden wird. Zunächst nur einige Subgruppen, die besonders stark auf Abgrenzung setzen, so wie es in linken Szenen lange schon große Facebook-Aversionen gibt. Und nach und nach weitere. Je mehr Facebook faktisch zu einem Silo wird, egal wie sehr sie den AOL-Fehler zu vermeiden suchen, desto schneller werden sich nachwachsende Gruppen abwenden.Ich glaube nicht, dass sich Tertius, der jetzt 11 Jahre alt ist und sich sehr für Onlinenetze interessiert und für den selbstverständlich YouTube der First Screen ist, noch bei Facebook anmelden wird. Und wenn, dann nur, um es so zu nutzen, wie meine großen Kinder E-Mail: Als Notfallequipment, um mit Erwachsenen kommunizieren zu können.
Jetzt hört mal auf zu Jammern. Maybe oder YOLO oder was weiß ich. Legt mal diese alberne Neon-Pose ab. Ihr seid ja schlimmer als die Generation meiner Eltern, die auch nicht erwachsen werden wollte und zig Berufsjugendliche hervorgebracht hat.
Ich hab ja oft über diese Generation geschimpft, die sich Y oder YOLO oder Millennials nennt. Was mich aber am allermeisten stört: Das weinerliche, jammernde Ausschauen nach einem Schlaraffenland (googlet das, wenn euch das nichts mehr sagt). Dafür gibt es keinen Grund, also für das Jammern jetzt. Für die Scheu, sich zu entscheiden.
Aus einem nun schon etwas längeren Leben kann ich euch berichten: Das Leben ist toll oder kann es sein. Und keine Entscheidung, kein Job, kein Haus ist für die Ewigkeit. Nicht mal ein Studium oder eine Ausbildung. Was habe ich allein schon alles gemacht an Berufen. Und was haben alle die Leute in meinem Alter, die ich kenne, alles schon gemacht. Na und? Mein abseitiges Studium würde ich immer wieder machen, und sei es nur für mich. Aber ich dachte danach auch nicht, ich sei jetzt fertig und könnte irgendwas außer studieren.
Ich weiß nicht, was es ist, das die von euch, die da rumjammern, von den anderen, die da richtig ranklotzen oder ausruhen oder Feierabend machen oder Kinder bekommen oder Bücher schreiben oder eine Firma gründen oder so, unterscheidet. Mein Verdacht ist: Ihr erwartet zu viel Kribbeln. Und zu viele gebratene Tauben.
Mich macht das wahrscheinlich auch deshalb so emotional, weil die ersten meiner Kinder gerade an der Schwelle sind, die erste echt wichtige Weiche selbst zu stellen. In gut zwei, drei Jahren sind sie aus der Schule raus. Und müssen einen ersten Weg einschlagen. Selbst wenn der nicht für ewig oder nur für lange ist.Ich finde es super, wenn jemand klare Erwartungen und Ansprüche ans Leben und Arbeiten hat. Und ich finde es auch ganz klar, dass "wir Unternehmen", "wir Chefs" darauf hören. Von euch lernen, was euch wichtig ist. Und das auch machen, also das Hören, ohne gleich zu denken, dass ihr doof seid (jaja, ich weiß, manchmal tue ich so, als ob ich euch doof fände, aber pssst, das stimmt eigentlich nicht, auch wenn ich mich manchmal über euch ärgere). Und uns auch, denn es gibt irgendwie nicht so viele von euch, auf euch einstellen, vieles ändern an dem, wie wir arbeiten, wenn es sein muss.
Kuddel heißt eigentlich Kurt, wie das so ist bei uns in Hamburg. Und wohnt seit mehr als sechzig Jahren im gleichen Block wie mein Opa. Ist allerdings zehn Jahre älter, wird also dieses Jahr noch 98. Meine Mutter und Kuddels Tochter sind zusammen zur Schule gegangen, sie ist jetzt in Amerika verheiratet und ja nun auch schon weit jenseits der 60, aber das ist eine andere Geschichte.
Kuddel ist seit etwas über 25 Jahren Witwer. Und hat eine eiserne Disziplin, wie das früher hieß. Jeden Tag geht er mit seinem Stock zum Einkaufen. Direkt um die Ecke zu Penny, etwas weiter zu Aldi - oder er steigt bei Penny in den Bus und fährt die eine Station zu Rewe. Und dann kocht er auch noch jeden Tag.
Seine Tasche für's Krankenhaus hat Kuddel immer im Flur stehen, denn er geht oft ins Krankenhaus, also lässt sich oft dahin fahren. Sozusagen das Gegenteil meines Opas, der nicht mal zu seiner Ärztin geht.
Mein Opa duzt Kuddel und redet mit ihm, wenn sie sich auf der Straße treffen, was sie oft tun, denn mein Opa muss jeden Tag ein-, zweimal raus, möglichst einmal mit dem Rad. Solange das noch geht. Sie duzen sich, weil es so ist bei Arbeitern in der Generation, zumal mein Opa zwar bald ins kleinbürgerliche Milieu aufstieg als technischer Zeichner - aber nie auf Kuddel herabblickte, der als Maler bei der Genossenschaft arbeitete, in deren Wohnungen sie beide seit ihrem Wiederaufbau und bis heute wohnen. Ob meine Großmutter Kuddel kennt, weiß ich nicht übrigens. Seine Frau kannte sie sicher, damals, in der ersten Hälfte der Fünfziger, als die Mädchen zusammen zur Grundschule gingen, bevor sie auf verschiedene Schulen verteilt wurden.
Aber obwohl es kaum jemanden gibt, mit dem mein Opa mehr geredet hat außerhalb der Arbeit in den letzten gut sechzig Jahren, würde er Kuddel nie als Freund bezeichnen. Andersrum auch nicht. Denn beide sind introvertiert. Mein Opa bewundert Kuddels Disziplin und lacht über seinen Glauben an Ärztinnen und Krankenhäuser. Und das war es.
Denn nach der Arbeit sind meine Großeltern immer erstmal eine Stunde im Wandsbeker Gehölz spazieren gegangen. Und später, als sie dann ein Auto zusammengespart hatten, in den Rausdorfer und dann in den Trittauer Forst gefahren, mindestens dreimal in der Woche.
Ich fand meinen Opa früher immer sowohl schräg als auch faszinierend. Und konnte lange nicht fassen, was es ist. Und was es auch mit mir ist, dass ich nicht eigentlich schüchtern bin (sondern auch mal laut und meinungsstark und dickköpfig, alles Dinge, die ich von ihm habe), aber eben Distanz halte zu vielen Menschen.
Als die wunderbare Kaltmamsell die Introvertierten entdeckte, wurde mir einiges klar. Auch, warum mein Opa damals von einem auf den anderen Tag aufhören konnte mit arbeiten, ohne es zu vermissen oder sich ein Hobby zu suchen. Er liest nicht mal gern (außer den Spiegel). Und hat sich auch noch nie mit Kuddel getroffen.
Mir scheint, dass zunehmende Polarisierungen ein Zeichen für Zeiten des Umbruchs sind. Vor allem, wenn Polarisierungen nicht mehr entlang der erwartbaren Linien verlaufen, sondern ich heute laut und stark mit welchen auf einer Seite der Linie stehe - und morgen mit anderen zusammen auf einer Seite einer anderen Linie.
This was my first ever tweet. Very unique.
Papjdm
— Wolfgang Lünenbürger (@luebue) March 7, 2007
Eigentlich ist es verrückt. Denn ich bin nur rund 15 Jahre älter als sie. Das ist gerade mal die Zeit, die Secundus auf der Welt ist. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass Welten zwischen uns liegen. Den in Medien und Literatur so genannten Generationen X und Y.
Schaut euch nur mal den Zeit-Artikel aus der letzten Woche an, der sicher nicht nur in meiner Branche (Beratungsdings) viel ventiliert wurde. Von vielen Millennials las ich Dinge wie: "Guckt mal, so sind wird" oder "Liebe Unternehmen, wenn ihr was über uns wissen wollt". Alles gut. Und ja, ich habe auch sehr darüber geschmunzelt, diese Generation die "Generation Pippi Langstrumpf" zu nennen (was leicht unfair ist, denn die war auch eine Heldin aus unserer Kindheit).
Vielleicht passt es auch sogar besser als beabsichtigt. Denn Pippi macht sich die Welt nicht nur, wie sie ihr gefällt (was im Übrigen nur der Titelsong der Fernsehfilme ist und so inhaltlich in den Büchern gar nicht vorkommt - ich lese die seit über zehn Jahren dauerhaft meinen vielen Kindern nacheinander vor). Sondern verachtet auch Plutimikation. Denn warum sollte sie eine Frage beantworten, die das Frollein ja auch sich selbst beantworten kann. Erinnert ihr euch, oder?
***
Bis heute ist mir eine Schlüsselgeschichte ins Gedächtnis eingebrannt. Vor mehreren Jahren. Wir trafen uns. Eine Branchenkollegin, große, renommierte Agentur, die dafür zuständig war, mehrere Juniorinnenstellen zu besetzen. Sie ließ sich auf den Sessel plumpsen und war endgenervt: "Wo sind denn bitte die gut ausgebildeten, neugierigen Akademiker mit halbwegs akzeptablen Manieren, die uns alle versprochen haben?" Nach fünfzehn Gesprächen, zu denen die eingeladen worden waren, die die am wenigsten schlechten Bewerbungen schickten. Nicht eine Kandidatin dabei, die in Frage kam.
***
Beinahe ebenso endgenervt schrieb ich selbst eine andere Schlüsselgeschichte schon vor rund zwei Jahren in dieses Blog rein. Über Menschen, die besoffen sind ob ihrer eigenen gefühlten Relevanz. Deren Selbstwahrnehmung ("Ich, Pippi, mache mir die Welt wie sie mir gefällt") und Fremdwahrnehmung ("Du, Pippi, vielleicht solltest du doch mal Plutimikation lernen") auf eine Art und Weise auseinander fällt, die mich immer noch ratlos macht.
***
Vielleicht ist es so und die Demografie spielt den Pippis in die Hände. Und vielleicht ruhen sich einige auch auf solchen feiernden Artikeln wie in der "Zeit" aus. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht arbeiten wir X-erinnen einfach weiter, bis wir achtzig sind, bevor wir uns damit abärgern, Leuten Plutimikation beizubringen (oder auch nur zu erklären, warum es hin und wieder gut sein könnte, zu wissen, was das ist), die glauben, schon alles zu wissen. Vielleicht ist es auch so, dass die Millennials, wie viele in der Babyboomer-Generation, zwischen zwei leistungsbereiten Generationen zerrieben werden. Glücklich, ja. Aber verloren.
***
Schon vor über zehn Jahren hatte ich einen Kollegen, der seine Stunden reduzierte. Er hatte es durchgerechnet. 20% weniger Gehalt (brutto) war ihm der eine freie Tag in der Woche wert. Und dann lernte er in der Zeit Segelfliegen. Der war ein Guter. Und ist es bis heute.
***
Es muss sich etwas ändern in der Organisation von Arbeit. Und das tut es auch. Das treiben aber gar nicht diese Millennials, die sich gerade für Trendsetter halten - sondern die Menschen, die Kinder bekommen und trotzdem weiter arbeiten (wollen und werden). Die leistungsbereit und leistungsfähig sind und organisiert und erwachsen. Die wissen, was sie können - und einen ungefähre Vorstellung haben von dem, was sie nicht können. Und davon, wie andere einschätzen, was sie können. All das gibt es auch unter Millennials. Ich kenne da auch viele, habe solche auch schon eingestellt. Und vielleicht ist es unfair, diesen Punkt so stark zu betonen. Aber mich stört es massivst, wenn in der Diskussion um die Generation Y, die Pippis, die Millennials immer so getan wird, als wären die (alle) gut ausgebildet oder gar gebildet (im Herzen und im Hirn) - und nur die böse Arbeit mache sie kaputt.
Im Gegenteil: Arbeiten ist gesund. Ich kenne niemanden, die Stress mit der Menge von Arbeit engführen würde. Wenn junge Leute, wie im Zeit-Artikel beschrieben und wie ich es teilweise auch beobachte, häufiger den Job wechseln als andere - dann kann das daran liegen, dass die Firma doof ist. Dann kann das aber auch daran liegen, dass sie selbst doof sind (oder überfordert oder sich für weiter hielten, als sie sind, etc). Das werfe ich ihnen nicht mal vor - denn ihre Ausbildung ist einfach oft ein Witz, wie sollen sie damit etwas können. Vor allem, wenn sie von der Hochschule kommen. Da können sie auch nichts für, denn die Hochschulen haben andere für sie zerstört.
***
Als älterer Mensch lerne ich viel von jungen Leuten. Von ihrem Blick auf die Welt, von ihrem Selbstbewusstsein, von dem, was sie sich erträumen. Darum frage ich sie, was sie wollen, wo sie hinwollen. Und ich bilde mir ein, dass - zumindest im beruflichen Kontext - einige junge Leute auch von mir lernen können. Das biete ich ihnen an.
Führung ist vielleicht komplizierter geworden, weil die alten Anreizsysteme out sind und teilweise ja auch wirklich nicht mehr funktionieren. Auch bei mir nicht. Und arbeiten ist an einer Stelle anstrengender geworden - weil es ein hohes Maß an intrinsischer Motivation erfordert. Das war immer schon so, wenn ich glücklich werden wollte bei der Arbeit. Aber heute ist es in den Fokus gerückt.
Darum stelle ich die überschätzten Millennials (und vor allem die, die sich selbst überschätzen) in der Regel vor eine ganz einfache Auswahl: Entweder ihr haltet euch für fertig. Dann seid ihr da angekommen, wo ihr beruflich im Leben ankommen könnt. Wer will schon Karriere, wenn es bequem und gemütlich ist. Oder ihr wollt lernen. Dann freue ich mich, euch als ein Coach dabei zu begleiten.
So oder so:
Hört auf, zu jammern.
Und lebt.
Oder tut was.
Dass ich ganz viele Millennials kenne, die das tun, freut mich sehr.
tl;dr
Ich bin ein alter Sack und finde, die Millennials werden maßlos überschätzt. Vor allem aber überschätzen viele von ihnen sich auf fast groteske Weise.
tl;tl;dr
Ich bin alt und ihr seid doof.
Ich höre immer, wie bräuchten eine Kultur des Scheiterns. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Wobei es mir so vorkommt, dass wir nicht nur eine Akzeptanz der Gescheiterten brauchen - sondern auch eine Akzeptanz des Scheiterns.
Einerseits kann ich tatsächlich nicht verstehen, wieso das Scheitern mit einem Job, einer Idee oder einer Firma an sich ein Makel sein soll. Die Einschränkung "an sich" meine ich allerdings auch ernst, denn im Gegenzug darf das Scheitern auch nicht heroisiert werden, nach dem Motto: die anderen sind schuld.
Und andererseits muss ich meinem Scheitern auch mit etwas Demut begegnen können, denke ich.
***
Ich selbst bin zwei Mal beruflich gescheitert. Glücklicherweise keines der Male so, dass es meine oder die Existenz anderer gefährdete. Aber trotzdem macht das durchaus keinen Spaß.
Beim ersten Mal hatte ich unter dem Dach des Verlages einer christlichen Wochenzeitung, die es heute nicht mehr gibt, einen an "Text Intern" oder den Fuchsbriefen orientierten Infodienst für kirchliche Führungskräfte entwickelt und geleitet. Das haben wir nicht zum Fliegen gebracht und mussten wieder aufgeben. Es war unser Fehler und auch und gerade meiner - vor allem hatten wir den Markt und die Zahlbereitschaft falsch eingeschätzt.
Beim zweiten Mal bin ich daran gescheitert, den Vertrieb eines PR-Dienstleisters zu leiten. Wir passten nicht zusammen, ich wurde nicht warm mit Berlin und meinem Team, auch nicht mit der Dienstleistung. Hier habe ich gelernt, dass Probezeiten für beide Seiten gut sein können, und gekündigt, bevor die Probezeit um war. Es lag aber alles in allem mehr an mir als am Unternehmen.
***
Wenn ich scheitere, muss ich nicht in Sack und Asche gehen. Durchatmen, genau ansehen und nachdenken und reden, was da schief gelaufen ist. Weiter machen. Woanders. Und auch mit etwas anderem als direkt vorher.
Zu einer Kultur des Scheiterns gehört meines Erachtens tatsächlich diese Form der Demut. Dass ich nicht schon im Scheitern direkt wieder weiß, wo der Hammer hängt, und da weitermache, wo ich gescheitert bin. Als wäre nichts gewesen. Etwas Abstand - sei es zeitlich oder inhaltlich - gehört für mich dazu, damit ich eine neue Chance bekomme.
Denn nie liegt ein Scheitern nur an den anderen. Am Markt, an denen, die nicht verstehen, dass ich Recht habe und sie nicht. Sondern sehr oft hat es auch mit mir zu tun. Nicht umsonst fangen in Gesellschaften, in denen es die so gerühmte Kultur des Scheiterns gibt, viele nach dem Ende mit etwas komplett Anderem an. Und ist dies normal und richtig und gut.
Ich bin überzeugt, dass wir so eine Kultur des Scheiterns brauchen. Und ich denke, dass es zwei Seiten einer Medaille sind, wenn einerseits auf Scheiternde mit einer ekligen Häme geguckt wird - und andererseits Scheiternde die Schuld bei den anderen, bei den Umständen oder wem auch immer suchen und denken, nichts an sich oder ihrem Geschäftsmodell oder ihren Überlegungen ändern zu müssen. Die Arroganz im Scheitern korrespondiert vielleicht wirklich mit der Arroganz gegenüber den Scheiternden. Und beides ist doof und falsch und irgendwie wohl auch symptomatisch für unsere Gesellschaft.
***
Für meinen Lebensweg waren die beiden Punkte, an denen ich gescheitert war, gut. Sie waren Wendepunkte zu neuen Berufen. Vom Journalismus zu Business Development und Vertrieb von Mediendienstleistungen (kurz nach dem Ende des Infodienstes fing ich bei news aktuell an, wo ich knapp sechs Jahre glücklich war). Und beim zweiten Mal von Vertrieb und Produktentwicklung in die PR und strategische Kommunikation mit dem Schwerpunkt Social Media und Digitales, wo ich heute noch tätig bin. Und glücklich.
Das muss nicht der Weg für jede sein, das weiß ich auch. Aber ich war mir diese Veränderungen schuldig. Und wünsche jeder und jedem diese Chance auf radikale Veränderungen, denn sie waren gut.
Wer wie ich in einem eher homogenen Umfeld lebt und arbeitet (einzig die wilden Partys wohlhabender Polen bei uns in der Straße fallen da raus, wenn wir hin und wieder sehr dünne Frauen aus der Hecke pflücken, die über ihre Stilettos gestolpert sind, wobei diese Formulierung bereits wieder latent den Alltagsrassismus und die mangelnde Achtsamkeit zutage fördert, um die es in diesem Post gehen soll), macht sich nicht jeden Tag Gedanken um sprachliche Manifestationen mangelnder Sensibilität oder gar deren handelnde Schwestern. Und ein Leben mit jugendlichem Nachwuchs fördert schon aus reiner Herzinfarktprofilaxe die Abstumpfung (auch wenn ich mich freue, dass Endstation Rechts inzwischen zur regelmäßigen Lektüre eines meiner Kinder gehört).
Um so mehr bin ich überrascht, wenn kleine automatische Formulierungen Menschen Freude machen. Also gar nicht in einer besonders reflektierten Situation - sondern so rausgerutscht. Das ging mir schon damals so, wenn ich von "Deutschen jüdischen Glaubens" sprach und nicht von "Deutschen und Juden" (was ja auch gar kein sinnvolles Begriffspaar ist, weil Deutsche Juden sein können und Juden Deutsche, also kompletter Unsinn gelabert wird, wenn jemand dieses irgendwie miteinander vergleichend in einem Satz benutzt). Ich machte mir darum gar keine Gedanken, wahrscheinlich, weil ich als Theologe irgendwie in einen bestimmten Sprachduktus hinein gewachsen war. Erst als mich jemand (positiv) drauf ansprach, wurde mir bewusst, dass es eine andere Formulierung ist als die meisten wählen würden.
Ähnlich war es neulich auf einer Veranstaltung, als ich eine Gesprächspartnerin fragte, ob sie in Frankreich geboren sei, weil sie ein französisches Deutsch spreche. Sie flippte fast aus vor Freude über diese Formulierung, was mich erst etwas ratlos zurück ließ. Denn so würde ich das immer nennen. So spricht meine Tante beispielsweise auch.
Irgendwann dachte ich drüber nach. Und es scheint mir, dass es wieder so eine Kleinigkeit ist. Die vielleicht unbewusst ist, vielleicht aber auch ein ganzes Wertesystem mitschwingen lässt. Und es gibt bei mir mit Sicherheit genug blinde Flecken, in denen ich gedankenlos andere Kleinigkeiten nutze, die andere als verletzend empfinden.
Vor allem aber fand ich es schön, zu hören, dass sie dieses positiv wahrnahm. Denn mehr noch als ein Aussprechen von Zorn und Verletzung im anderen Fall hilft mir als jemandem, der in fast jeder Situation in jeder Hinsicht zur privilegierten Mehrheitsgruppe (heterosexueller, männlicher, mittelalter Weißer) gehört, diese Reaktion, mein Verhalten und meine Sprache zu überprüfen. Und im konkreten Fall war es auch für die anderen, die bei unserer Unterhaltung dabei standen, sicher spannend zu sehen. Allein die Heftigkeit der (positiven) Reaktion lässt erahnen, wie sehr sogar in einem aufgeschlossenen intellektuell geprägten Umfeld der Alltagsrassismus eben dieses ist: ein Alltagsphänomen. Und welche Verletzungen wir durch mangelnde Achtsamkeit zufügen. Und sei es, indem wir betonen, wie perfekt jemand unsere Muttersprache spreche.
Auf anderer Ebene mache ich eine ähnliche Erfahrung mit meinem Namen. Ich schätze, dass ich in mehr als der Hälfte aller (neuen) Begegnungen darauf angesprochen werde. Und fast immer kommt es zu sehr interessanten Reaktionen, wenn ich anbiete, mich nur mit meinem "Mädchennamen" anzureden.
Vielleicht hängt das alles auch damit zusammen, dass mir Sprache einfach Spaß macht.
| Symbolbild: "Scheiße" (CC BY-SA-2.0 dev null) |
| Strichliste auf dem PR-Kongress des EHI |
... muss gar nichts. Aber wer A sagt, um etwas ändern zu wollen, kann dann auch mal A rufen. Mache ich jetzt.
Nur kurz zur Erinnerung: ich schrieb am 16.11.2012 unter der Überschrift Von Pubertät und Podien mal auf, was mir an Veranstaltungen und den üblichen Alphamännlein nicht passt, die da rumturnen. Und stellte mir selbst Regeln auf. Unter anderem:
3. Ist die (in der Regel ja obligatorische) Diskussionsrunde mit mindestens 40% Frauen besetzt? Dann komme ich gerne. (Blogpost)Und ich mache gute Erfahrungen mit der Auswahl der Dings, auf denen ich spreche. Beispielsweise kommende Woche beim PR Kongress des EHI, der gut und ausgeglichen besetzt ist und sogar spannende Themen bietet. Die Social Media Week Hamburg als Großformat ist auch gut, unterschiedlich, variantenreich von den Methoden und so weiter. Darum habe ich auch gerne zugesagt, als ich damals angefragt wurde, ob ich an einer Markenkommunikationsdiskussionsrunde teilnehmen wolle. Denn Markenkommunikation finde ich gut. Und weiß ich was zu. Und hab ich Erfahrung und so.
Übrigens gehe ich davon aus, dass da noch Frauen aufs Panel kommen, oder? ... Ich nehme ja eigentlich nicht mehr an Podien teil, auf denen keine Frauen sind :)Und der Organisator kannte auch meine Selbstverpflichtung, wir kennen uns und arbeiten hin und wieder zusammen seit vielen vielen Jahren. Es blieb bei der ursprünglich angedachten Alphamännerrunde. Sehr groß übrigens. Und sozusagen nur Agenturen (ok, und ein Inkubator und der Gastgeber).
Heute vor zehn Jahren habe ich mit etwas angefangen, das ein Experiment war. Und das mein Leben verändert hat. Ich wurde Blogger. blogger.com gehörte noch nicht zu Google, antville nahm gerade keine neuen Blogs auf, die anderen Plattformen gab es noch nicht. Ich war in einer schwierigen Lebensphase, darüber hab ich vor fünf Jahren geschrieben, als ich diesem Blog zum Geburtstag gratulierte.
Das Zerbrechen und Wegdämmern und dann Sterben meiner Mutter war immer ein Thema hier, meine wachsende Familie ein anderes. Zwei verschiedene Häuser habe ich in der Zeit gebaut, zwei Aufgaben, die mehr als Jobs waren und sind, habe ich dank des Blogs übernommen. Nacheinander. Logo. Erst bei Edelman, dann bei achtung.
Einige wenige werden bei 10 Jahren gähnen, aber wie ich irgendwann später rausfand, war Bloggen in Deutschland damals noch eher neu. Endlich war ich irgendwo mit mal früh genug dran, um was draus zu machen, 2000/2001 mit der Chatcenter-Idee kam ich ja zu spät, da war schon kein Geld mehr zu bekommen (und es hätte auch nicht funktioniert damals, heute ist so was ja normal, tja, so kann's gehn, dabei hatten Kalle und ich so einen tollen Firmennamen ausgedacht, aber das ist eine andere Geschichte).
Was ich toll finde: einige wenige aus der allerersten Anfangszeit sind immer noch aktiv und mehr oder weniger in Kontakt mit mir. Die, die aus der Keimzelle, jener legendären brandeins-E-Mail-Diskussionsliste kamen, die aus der Cluetrainausgabe entstanden war damals. Zehn Jahre danach hatten sich ein paar von uns, die noch Kontakt hielten, in der Redaktion getroffen. Und tatsächlich: Ohne diese Zeitschrift, ohne Cluetrain und ohne die Diskussionsliste gäbe es dieses Blog hier nicht. Wäre, hätte, könnte - aber für das, was in meinem Leben aufgrund des Blogs und des Bloggens passiert ist, bin ich dem Team der brandeins dankbar. Und Oliver Baer, auch wenn der in diese mich unangenehm berührende Sprachpurismus-Ecke abgedriftet ist.
Bis heute hilft mir das Bloggen beim Denken. Es zeigt mir die Entwicklungen auf, die mein Denken und Handeln und Fühlen genommen hat. Und das sind in zehn Jahren ja durchaus so einige. Es ist mein Wohnzimmer, mein Eigenheim in dieser Ecke des Internets. Mit einer größeren Adress-Stabilität als das Eigenheim in der Kohlenstoffwelt. Was wiederum lustig ist, irgendwie.
Und weil ich ja über ein ungewöhnlich großes Sendungsbewusstsein verfüge, wünsche ich mir zum Bloggeburtstag, dass möglichst viele von euch, die das hier lesen, anfangen zu bloggen (oder es weiter machen). Das ist mir wichtig. Blogs sind toll. Echt. Und sind eine wichtige Form der Kultur in diesem Internetz. Vielleicht die wichtigste der letzten paar Jahre. Sie fördern Sprache, Denken, Diskurse (nicht zwingend Diskussionen, aber die folgen oft auf Diskurse). Sie können euch helfen, erwachsen zu werden, so ging es jedenfalls mir. Blogt! Mehr! Neu! Echt jetzt mal!
Und zum Schluss noch eine Opa-erzählt-vom-Krieg-wir-hatten-ja-nix-anderes-Geschichte aus der Vor-Twitter-vor-Facebook-Zeit:
Damals, wir hatten nichts anderes als unsere Blogs, waren die für uns Alte so was wie heute Twitter oder für meine Kinder Facebook. Darum waren die Posts auch so kurz, also nicht immer, aber durchaus ein bisschen häufiger. Und schrieben wir auch manchmal mehrmals am Tag, so wie heute auf Twitter, wisst ihr Bescheid.
Und wenn ich zum ersten Mal eine andere Bloggerin traf, die ich las, war es so wie heute mit Twitter. Es fühlte sich an, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir fingen mit dem Reden da an, wo wir kurz vorher, als wir losgingen, wir hatten ja noch quasi kein mobiles Internet, aufgehört hatten, zu lesen. Und es stellte sich heraus, dass Menschen, die ich gerne lese, auch fast immer Menschen waren, die ich gerne um mich habe. Bis auf den einen wirklich bösen (also im Sinne von wirklich böse) Menschen, aber das merkte ich erst sehr viel später und das ich eine andere Geschichte.
Sagte ich schon, dass ich Blogs toll finde?
Dass der direkt unter der Oberfläche der Wahrnehmung brodelnde Zorn von vielen Frauen über den alltäglichen Sexismus in der Nacht von Donnerstag auf Freitag unter dem Stichwort #aufschrei sich auf Twitter entlud und seitdem nicht zur Ruhe kommt, ist gut, finde ich. Dass damit eine Diskussion beginne, ist allerdings falsch. Für viele Menschen mag es so scheinen - insbesondere, wenn sie sich nie mit Feminismus beschäftigt haben oder - als Mann - noch nie damit konfrontiert wurden. Aber das, was gerade passiert, ist eigentlich nur, dass eine jahrelange Diskussion in die medial verstärkte Wahrnehmung der breiten Masse gespült wird.
Oder, wie Antje Schrupp (wieder einmal) passend beschrieb: Es zeigt, wie auf einmal "Lappalien" relevant werden (Anmerkung: Lest wirklich mal den verlinkten Beitrag, nicht umsonst ist Antje Bloggerin des Jahres 2012).
Und ehrlich gesagt, ist mir angesichts des Themas egal, dass der Anlass (nicht die Ursache - der Unterschied ist wie bei fast allem, was passiert, immens wichtig) eine Geschichte im "Stern" ist, die die eine oder andere sogar zu Recht ob Tonalität und Agenda kritisiert hat. Nach meiner Wahrnehmung war übrigens keineswegs die Brüderle-Geschichte der Anlass für den Aufschrei - sondern die Reaktionen einiges alter Männer on- und offline. Denn erst als der Minister Hahn (Hessen) und andere über den Tabubruch schwadronierten (wobei sie merkwürdigerweise nicht den Tabubruch Brüderles meinten sondern den Tabubruch der Journalistin), kanalisierte sich der Zorn. Denn genau diese Reaktionen sind es, die den Kern des Alltagssexismus in diesem Land ausmachen. Derailing - Ablenkung.
Ähnlich dann gestern der mir auch vorher schon unerträgliche Norbert Bolz (mit dem ich letztes Jahr einen Abend am Referententisch einer Veranstaltung zubrachte, was meine Meinung über ihn nun mit einer aus eigenem Erleben bezogenen Realität bestätigte), der auf NDR-Info Laura Himmelreich vorwarf, die Spielregeln verletzt zu haben, da Politiker ein Recht darauf hätten, dass nicht alles in die Öffentlichkeit kommt, dass sie einen Schutzraum hätten. Was er damit mindestens in Kauf nimmt: Dass alte Böcke in diesem "Schutzraum" Grenzen übertreten.
In dieses Klima hinein unsortiert und ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität eigene subjektive Erlebnisse zu schreien, die eine als Übergriff empfunden hat, ist der Kontrapunkt, der gefehlt hat, um unsere langjährige Diskussion in die Öffentlichkeit zu spülen. Dass die Diskussion nicht neu ist, wissen vielleicht nur die, die sie vorher führten. Mein eigener erster Blogbeitrag sozusagen zu #aufschrei stammt beispielsweise vom 22.8.2012 und klingt trotzdem so, als sei es gestern geschrieben worden.
Und darum habe ich mich über den in meiner Ecke des Internets sehr viel verlinkten und kommentierten und beklatschten Blogeintrag von Meike Lobo gestern auch sehr geärgert. Kurz gesagt: Weil ich glaube, dass sie sich, auch wenn sie es nicht will, faktisch am Derailing beteiligt. Dass sie sehr viel Lob von den Männern meiner Timeline bekommt, die vorher schon auf der Linie von Hahn, Edathy und Kubicki argumentierten (und von denen ich einige mag und schätze, weshalb es mich so besonders bestürzt), will ich ihr nicht vorwerfen, finde ich aber auch nicht überraschend.
Denn sie hat im Prinzip völlig Recht mit allem, was sie schreibt. Und dennoch mit vielem auch gar nicht. Ja, Veränderungen sind immer am besten im Dialog möglich. Und ja, selbstverständlich wäre es toll und würde den Veränderungsprozess massiv beschleunigen, wenn Frauen nicht Lämmer sind (wie Meike behauptet) sondern Löwinnen, die Männer und andere, die ihnen sexistisch kommen, direkt in die Schranken weisen. Die Männern sagen, was sie sich wünschen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich ganz anders aufgewachsen bin, ganz anders sozialisiert wurde - aber genau das habe ich mein Leben lang erlebt. oder glaubt irgendwer, ich wäre von allein darauf gekommen, was mit Patriarchat und Sexismus nicht stimmt? Ich habe Lämmer erstmals kennen gelernt, als ich schon einige Jahre im Beruf stand und erstmals den Dunstkreis evangelische Kirche vollständig verließ. Da ich in einer feministischen und materialistischen (im ideologischen Sinne, nicht wie es heute verwendet wird) Gemeinde und Gemeinschaft aufgewachsen bin, in der Frauen und Männer sehr darauf achteten, dass Übergriffe benannt werden, und in der schon in meiner Jugend eine (so hieß das damals bei uns) geschlechtergerechte Sprache genutzt wurde, war mir wahrscheinlich tatsächlich vieles schon klar. Und habe ich gelernt, auch in der politischen Arbeit, dass die verschiedenen Formen von Protest und Anstoß ihren Raum haben und ihre Zeit.
Ich halte den Blogpost von Meike Lobo in all seiner "Richtigkeit" dennoch für manipulativ - und allein denen nützlich, die sich der Diskussion über Sexismus und den notwendigen Änderungen im Verhalten von Frauen und - vor allem - Männern nicht stellen wollen. Zur Mechanik dieser Manipulation schrieb ich ja erst gerade.
Vor allem aber verkennt Meike das Thema Herrschaft und Asymmetrie in Beziehungen meines Erachtens völlig. Oder sie hält es nicht für relevant oder existent, das weiß ich selbstverständlich nicht. Nur: Ich halte es für extrem wichtig, siehe auch meinen alten Täter-Blogeintrag. In einer asymmetrischen Beziehung von denen, die "unten" sind, den ersten Schritt der Versöhnung zu verlangen, halte ich für politisch naiv und strategisch falsch.
Das Erratische und - da bin ich ganz bei Meike - von jeder von uns sicher unterschiedlich relevant oder übergriffig Gesehene an den kurzen Geschichten auf Twitter zum #aufschrei hat für Männer meines Erachtens vor allem eine Funktion und stellt sie vor eine Aufgabe: Zunächst einmal zuzuhören. Und ohne (Ab)wertung anzunehmen, dass - von den Spaßvögeln abgesehen - hier unterschiedliche Frauen ganz unterschiedliche Dinge und Verhaltensweisen als Übergriff empfinden.
Aus einer von Herrschaft und Asymmetrie geprägten Situation gibt es im Grunde zwei Wege, wenn die "unteren" es nicht mehr aushalten (wollen) - entweder die Revolution, also die Gegengewalt. Oder der Verzicht der Herrschenden. Aber nie und nimmer - hier bin ich komplett anderer Meinung als Meike - das einfache Gespräch.
#Aufschrei macht Sexismus als Form der Herrschaft von Männern über Frauen sichtbar. In Schutzräumen (wie damals bei uns in den evangelischen Kirchengemeinden) können wir ein neues Zusammenleben sicher ausprobieren, dass es geht, haben wir seit den 70ern gezeigt. Aber als gesellschaftliches Thema wird es, davon bin ich überzeugt, nicht durch eine Lämmer- oder Löwinnenfrage gelöst werden. Sondern entweder von Männern durch Verzicht und Achtsamkeit. Oder von Frauen durch Verweigerung und Gegengewalt. Beides finde ich ok. Verzicht und Achtsamkeit für mich allerdings den besseren Weg. Vielleicht, weil ich in den hineingewachsen bin in den 80ern und 90ern. Vielleicht, weil ich erleben durfte, wie ein anderes Zusammenleben sich anfühlt. Vielleicht weil ich keine Lust auf Gewalt habe.
Mal ganz grob gesagt, ist es doch klasse, dass einer wie Rainer Brüderle offen auf seinen Sexappeal reduziert wird. Für den größeren Teil der wenigen Männer, von denen ich weiß, dass sie noch freiwillig (also anders als die CDU-Mitglieder in Niedersachsen jüngst) FDP wählen, ist er ein Role Model. Ein Held einer sterbenden Gattung. Jener Ekelmänner, die in der Generation meiner Großeltern Schwerenöter genannt wurden. Und die meine beiden Großmütter und einer meiner Großväter auch damals schon eklig fanden (und nicht etwa, wie sie selbst dachten, sexy). Mein anderer Großvater, lebenslanger FDP-Wähler übrigens und Arzt, 15 Jahre schon tot, war wie Brüderle. Und hatte außerdem seine letzte Affäre, einige Jahre, nachdem er seine Frau in die Klapsmühle (so nannte man das damals) einzuweisen versucht hatte, weil sie ihn ausschimpfte, weil er immer mit Patientinnen und so rumdingste, nachdem er schon mehrere Jahre komplett impotent war, einen Fuß abgenommen bekommen hatte, mit einer Nachbarin gleichen Alters, die beide Brüste verloren hatte. Also vorher schon. War offenbar also habituell, nicht ausschließlich auf Wollust und körperlichem Verlangen basierend, dass er in dieser Hinsicht ein sexistisches Arschloch war.
Aber während ich es also komplett naheliegend finde, dass Brüderle der Spitzenmann der FDP ist und Rücktrittsgeschrei albern und weltfremd finde, macht mich doch dieser Tweet von Frau Tessa nachdenklich:
Ich würde mir ja von Männern wünschen, dass sie sich nicht über Brüderle echauffieren, sondern sich mal #Antisexismus-Konzepte überlegen.Denn da hat sie Recht. Und das ist mir, wie die eine oder andere vielleicht ahnt, die mein Blog hin und wieder liest, tatsächlich wichtig. Vielleicht ist es keine Strategie, aber hier ist, was "wir" tun können, sehr unvollständig, nur spontan einige Punkte, die für jeden von uns möglich sind:
— teresa m. bücker (@fraeulein_tessa) January 23, 2013
Nur ein kurzer Zwischenruf. Ich dachte, dass auch dieses Thema, ähnlich wie so viele feministische, seit den 80ern fertig ausdiskutiert wäre und wir uns der Arbeit zuwenden können. Aber das stimmt leider nicht. Seufz. Aber vielleicht ist es die Aufgabe von uns Alten, es nicht nur an unsere Kinder weiterzugeben sondern auch immer und immer wieder denen zu erzählen, die damals diese Diskurse nicht mitbekommen haben oder zu jung waren, sozusagen die Zwischengeneration.
Denn wir, die wir damals geprägt wurden und die Diskurse und Argumente mitbekamen, haben uns um euch nicht gekümmert, wie das immer so ist. Vielleicht hätten wir es tun sollen, dann müsstet ihr euch jetzt nicht in so positivistischen Bewegungen wie den Piraten oder so sammeln. Denn vor dem Positivismus und dem Affirmatismus (so will ich es mal nennen) hilft vor allem eine solide Unterrichtung im kritisch-materialistischen Diskurs. Dies mit der Herrschaft, you know. Dass es keine Nicht-Herrschaft gibt, dass es wichtig ist, zu gucken, welches Argument eher (positivistisch) die eigentlich als verbesserungsfähig erkannten Realitäten stützt. Und welches sie zu verändern hilft.
Genug der Vorrede. Es soll um eines der irresten und irre erfolgreichen Manipulationsinstrumente gehen, das der Affirmatismus (also die positivistisch auf die Erhaltung des Existierenden ausgerichtete Haltung) in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Das scheinemanzipatorische oder scheinfortschrittliche Zeigen auf Das Große Ganze. Was ist welches Problem schon, verglichen mit Hungesnöten im Suden oder Hodenkrebs (um mal ein Filmzitat aus einem meiner Lieblingsfilme zu erwähnen, das dort nicht umsonst ein masturbierender Waliser sagt, aber das ist eine andere Geschichte).
Willkürlich herausgegriffen dieser Tweet von der geschätzten (wirklich!) Kollegin Nina Galla, bestimmt aus purem Zufall an dem Tag, an dem der Kommentar über den Sexismus der Piraten, über den seit Sonnabend diskutiert wurde, online war.
Wir müssen auf alle diskriminierungen achten. Unabhängig von geschlechtern.Innerhalb von 15 Minuten 6 Retweets und 4 Favs, bestimmt inzwischen mehr. Und das Perfide an dieser Manipulation, der Nina da methodisch aufgesessen ist, ist ja gerade, dass dieser Satz prinzipisch stimmt. Stünde er nicht im Zusammenhang mit einer kurzen, heftigen Diskussion, zu der dieser Satz gehört (und Nina ist ja, auch als sie noch bei den Grünen war, eine glühende Gegnerin quotierter Redelisten etc gewesen, was sie auch öffentlich bekannte, weshalb es sicher erlaubt ist, dieses hier in den Kontext zu stellen) -
— Nina Galla (@neina_hh) January 16, 2013
@luebue ich glaube, es geht nur um machterhalt, nicht um Geschlecht. Feminismus ist gesellschaftl irrtum, da frauen häufiger betroffen sindDas Problem ist, dass sich die Vertreterinnen des Affirmatismus ins Fäustchen lachen. Denn wenn ich beispielsweise eine Redeliste ablehne, die strukturelle Machtverhältnisse korrigieren will, indem sie streng quotiert ist, mit dem Argument, es müsse darum gehen, "auf alle Diskriminierungen (zu) achten", wird keine Diskriminierung bekämpft. Wunderbar für die, die es nicht ändern wollen. Und übrigens der strategische Fehler des organisierten Marxismus bis in die späten 70er hinein, der die "Frauenfrage" als "Nebenwiderspruch" verunglimpfte, um die Machtstrukturen zu erhalten, die so bequem waren. Denn, so postulierte es der Marxismus, und so postulieren es heute die Piraten in der gleichen totalitären (im Sinne von "die Situation total erklären") Art des Denkens, eigentlich sei die Frauenfrage ja zusammen mit der Frage des Privateigentums (Marxismus) oder der Basisdemokratie (Piraten) gelöst.
— Nina Galla (@neina_hh) January 16, 2013
Ich konnte bisher ein nennenswertes Abfallen von Engagement und Interaktion bei Facebook-Seiten nicht bemerken, sei es nun extern oder auch bei Kunden von AKOM360. (Johannes im AKOM360-Blog)
| Entwicklung von organischer Reichweite, Kommentaren und Interaktion vom 8.10.12 bis zum 4.1.13 |
Nicht so viele meiner Kolleginnen lesen ja mein Blog regelmäßig. Glaube ich. Auch wenn ich das nicht verstehe. Aber ein Kollege, den ich sehr schätze, was ich jetzt schreiben muss, weil zu seinem allmorgendlichen Fortbildungsprogramm gehört, dass er mich bei Twitter stalkt und mein Blog auswendig lernt, wünschte sich heute in einem drei Kilometer langen internen Mailwechsel, in dem es um so spannende Dinge wie Finanzmarktregulierungen oder so was ging und um generisches Maskulinum und um mobile Markenführung, halt so Kram, mit dem wir hier so zu tun haben jeden Tag, dass ich mal einen Blogpost schreiben möge zu "Das 'pffft' – warum ich es so oft benutze, wie ich es meine und warum ich Diskussionen damit immer gewinne". Warum, weiß ich auch nicht.
Aber dem komme ich gerne nach, ich leite schließlich eine Dienstleistungseinheit bei einem Dienstleister. Lieber Kollege,
Jedes Jahr im Januar, so scheint es, muss ich den Appell wiederholen. Zuletzt im vergangenen Jahr. Als ich diesen alten Beitrag wieder las, wurde ich irgendwie traurig. Weil ich ihn fast wörtlich noch einmal so schreiben könnte. Und das heute. Ein Jahr später.
Oder, um es deutlich zu sagen: So, wie sie jetzt ist, muss die Netzpolitik weg.
Denn es geht nicht um Netzpolitik. Es geht um eine Politik, die den Lebens- und Kommunikationsraum einer neuen Generation ernst nimmt. Es geht also um Ordnungspolitik und um einen (politischen) Modernisierungsschub, ähnlich dem, der durch den politischen Liberalismus im 19. Jahrhundert ausgelöst wurde - übrigens auch verbunden mit einem neuen Lebens- und Kommunikationsraum einer neuen Generation und Klasse (damals). Und ironischerweise mit einem Medium, dessen zurückgehende Relevanz für die oben genannte neue Generation gerade zu ordnungspolitischen Pirouetten seiner Lobbyistinnen führt: der papierenen Zeitung. Aber das nur am Rande.
Die Obrigkeit reagierte mit Zensur. Damals, im 19. Jahrhundert. Und die Kulturpolitik war der Ort, an dem sie sich auslebte.
Die Parallelen sind sicher nicht zufällig. Zumindest in meiner Partei sind es aktuell auch wieder die Kulturpolitikerinnen, die durch massiv medial verstärkte öffentliche Stellungnahmen die an sich guten und zukunftsorientierten Beschlüsse und Positionen der Gesamtpartei systematisch unterlaufen.
Die Netzpolitikerinnen dagegen haben sich im exotischen Gedönsschutzraum der Medienpolitik verschanzt. Und jede weiß ja, dass Medienpolitik nur ein kleiner Teilbereich der wichtigen Kulturpolitik sei.
Was tun? Nina Galla, die ich sehr schätze, auch wenn ich sie (politisch) immer aufziehe und mit ihr (politisch) in fast keinem Thema, das mir wichtig ist, einer Meinung bin, schrieb dazu (und heute hat carta_ es aufgenommen)
Um Netzpolitik den Bürgern nahe zu bringen, muss die Kommunikation dringend vereinfacht werden: Verzicht auf Fachwörter, Beispiele aus dem Alltag, einfache Vergleiche, sprachliche Bilder, Visualisierungen. Die netzpolitische Kommunikation muss so einfach sein, dass wir sie unseren Eltern und Kindern so erklären können, dass sie sie sofort verstehen.Damit hat sie recht. Und damit mache ich tatsächlich auch im privaten und hin und wieder im politischen Umfeld gute Erfahrungen. Immer mal wieder gelingt es mir, meine Großeltern, meine Kinder oder die Eltern von Freundinnen meiner Kinder so mit den Themen meines Kommunikations- und Lebensraumes zu beschäftigen, dass ich den Eindruck habe, sie verstehen, was mir warum wichtig ist. Denn bereits daran scheitert die Debatte ja in der Praxis bisher.
Netzpolitische Damoklesschwerter
Dass ich keine Prognosen für 2013 schreiben werde, habe ich ja letztes Jahr schon gesagt. Aber das heißt ja nicht, dass ein Jahresanfang nicht ein guter Zeitpunkt ist, um einmal darüber nachzudenken, was wir bedenken sollten, wenn wir über Kommunikation und Onlinedingens nachdenken.
Darum war "Lead Digital" so freundlich, schon vor Weihnachten einen kleinen Essay von mir zu den Megatrends und den Onlinetrends zu veröffentlichen, die zwar nicht speziell für 2013 gelten, aber eben aus meiner Sicht da sind und zu denen wir uns verhalten müssen.
Seitdem habe ich die fünf Onlinetrends noch um einen erweitert, den ich im Eifer des Endjahresdings damals, letztes Jahr, nicht mit aufgenommen hatte. Und habe die drei Megatrends und die sechs Onlinetrends in eine schnuckelige zweisprachige Präsentation eingebaut. Hier:
Kann ich auch mal was zu erzählen, gerne.
| (Screenshot von Facebook, 26.12.2012, 16.37 Uhr) |
Sehr gute Dekonstruktion des ekligen Antisemitismus des Jakob Augstein
Sehr gute Kolumne von Sascha Lobo über Hass in einer digitalen Gesellschaft.
»Was sind für Sie die wichtigsten Trends in der digitalen Kommunikation? Ich denke, das Internet wird in den nächsten Jahren ganz groß werden.«
Könnte sein. Ich glaube, da hat er mal Recht, der @saschalobo
on www.pressesprecher.com · the article page · www.pressesprecher.com on QUOTE.fm
»Die Gründung der Frauengruppe führte 1972 zu erheblichen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde, der Amtswehr und dem Kreisfeuerwehrverband, auch manche Frauen der aktiven Kameraden waren dagegen und hielten ihre Männer ab, zum Dienst zu gehen«
40 Jahre Frauen bei der Feuerwehr auf dem Land in Ostholstein
on www.der-reporter.de · the article page · www.der-reporter.de on QUOTE.fm
»Sure, a 12-year-old skateboarder can derive some value from Facebook, but in the whitewashed kind of way that the rest of us use LinkedIn.«
Indeed exactly my observation: Facebook is in no mean helpful to reach young audiences. Even in Germany, although we are mostly far behind.
on news.cnet.com · the article page · news.cnet.com on QUOTE.fm
»Durch das Prinzip der virtuellen Pinnwand im Rahmen des User-Profils provoziert Facebook 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr Kommunikation.«
Ich sehe das Problem, würde es aber eher "Kommunikationssucht" nennen. Und die gilt zzt. nicht als pathologisch.
on www1.wdr.de · the article page · www1.wdr.de on QUOTE.fm
»und das internet ist genau das geworden, was ich mir damals als ideales kaffeehaus vorgestellt habe. zeitschriften und zeitungen aus aller welt hängen kostenlos rum, überall sitzen intellektuelle, es herrscht lärm und rauschen — und doch findet man hier seine innere ruhe (beispielsweise wenn man ins internet reinschreibt). das internet ist ein wichtiger bereich der öffentlichen sphäre, in dem sich derzeit eine neue öffentlichkeit etabliert. literaten und kolumnisten halten im internet hof, sind ansprechbar und man redet über die weltlage und geschäfte. auch das postwesen hat sich im […]«
In der Tat. So isses. Kaffeehaus. Mit allem, was dazu gehört.
on wirres.net · the article page · wirres.net on QUOTE.fm
»Es gibt nur einen sinnvollen Ausweg aus der Konfusion: Die Gymnasien, die beschließen, wieder zu G9 zurückzukehren, sollten verpflichtet werden, sich in eine Sekundarschule umzuwandeln.«
Wer für die Wiedereinführung von G9 ist, ist faktisch für die Einheits-Gesamtschule.
on www.welt.de · the article page · www.welt.de on QUOTE.fm
»Take decisions, give directions. Don’t just distribute all the work incl. all decisions to other people or agencies, in the end it is your business and you’re appointed to be able to design strategy and direct marketing yourself.«
Ein Grund, warum wir so auf agile Kommunikation stehen.
on crossthebreeze.com · the article page · crossthebreeze.com on QUOTE.fm
»Und doch verlieren Männer nichts, wenn sie ihre Herrschaft aufgeben. So, wie die Deutschen nichts verloren haben, als sie daran gehindert wurden, andere Völker zu knechten, und so, wie die Weißen nicht am Untergang der Sklaverei leiden. Freiheit befreit sogar die Unterdrücker.«
großartiger Text von Malte Welding
on www.berliner-zeitung.de · the article page · www.berliner-zeitung.de on QUOTE.fm
»Offenbar will in der bürgerlichen Mitte keiner mehr Brüderle sein, alle wollen George Clooney werden. Bestens. Dieser Wunsch könnte ein Baustein sein, um den längst überfälligen Kulturwandel in der Arbeitswelt anzustoßen.«
Voller guter Sprüche.
on www.taz.de · the article page · www.taz.de on QUOTE.fm
»Man braucht schon eine gewisse Grundhaltung, um sich im angetrunkenen Zustand so zu verhalten. Sicher würde er sich so keinem Mann gegenüber verhalten.«
Genau das ist der Punkt bei Brüderle.
on www.taz.de · the article page · www.taz.de on QUOTE.fm
»Aber es geht darum, auf welcher Basis sich Journalistinnen und Politiker begegnen. Auf Augenhöhe, wie das etwa der verstorbene Peter Struck mit rauem Charme beherrschte? Oder auf Brusthöhe, wie Brüderle und die anderen schamlosen Böcke in Nadelstreifen.«
Brüderle und andere schamlose Böcke.
on www.stern.de · the article page · www.stern.de on QUOTE.fm
»We giggled, but as an example, Dan mentioned a recent D.C. office hire, a rising young public affairs star named named Leslie Dach. “He’s so bright we didn’t know what to do with him,” explained Dan. “But we knew we had to hire him and figure it out.” That was a classic Edelman move that I saw repeated over and over. Hire smart people.«
That's so true. And one of the best things Edelman did over and over again.
on www.prdaily.com · the article page · www.prdaily.com on QUOTE.fm
»Leadership is not about attributes, it's about behavior. And in an ever-faster-moving world, leadership is increasingly needed from more and more people, no matter where they are in a hierarchy. The notion that a few extraordinary people at the top can provide all the leadership needed today is ridiculous, and it's a recipe for failure.«
True. Read it. Leadership is different from management (ht @citizenrobert)
on blogs.hbr.org · the article page · blogs.hbr.org on QUOTE.fm
»Wer bei Verstand ist, fragt sich: Was soll es Israel nützen, von der Welt gehasst zu werden? Warum soll Israel, wenn es Atombunker im schiitischen Iran bombardieren will, die Sunniten gegen sich aufbringen? Warum soll ein Kopte nicht fähig sein, schlechte Filme zu drehen? Augsteins antisemitischer Okkultismus taugt nicht mal fürs Astro-TV, wird aber von allen Medien, die als seriös gelten, als kritischer Journalismus gewürdigt. Wo lebe ich?«
MIt weniger Schaum vorm Mund als letztes Mal. Bitte unbedingt den Trampert lesen. Alles stimmt.
on jungle-world.com · the article page · jungle-world.com on QUOTE.fm
»Klout ist ein Social Scoring-Dienst, den ich lange ignoriert, mir dann kurz angeschaut, dann wieder vergessen und gegen den ich mich nun bewusst entschieden habe. Warum ihr das auch tun und Klout nicht einfach ignorieren solltet? Hier sind 5 Gründe für den Ausstieg …«
applaudiere @chris_buggisch und freue mich über jede, die es ihm und mir gleichtut.
on buggisch.wordpress.com · the article page · buggisch.wordpress.com on QUOTE.fm